Home » Auf dem Dach, Fotogeschichten

Teilen macht Spaß

9 Juni 2012 Das Mädchen auf'm Dach 2 Kommentare

Eigentlich bin ich ein sehr fröhliches Mädchen. Aber machmal gibt es Sachen… die kotzen mich sowas von dermaßen an. Ja, da muss man ‘mal deutlich werden. Ich möchte hier keine Urheberrechts- und auch keine Facebook-Debatte lostreten. Die Nutzungsbedingungen von Facebook habe ich gelesen und ja ich weiß, meine Fotos und Aufpassen und so. Darauf möchte ich auch nicht hinaus.

Es geht um eine wirklich, wirklich tolle Funktion bei Facebook: Den Teilen-Button. Im Normalfall poste ich alle Bilder bei Facebook öffentlich. Weil ich möchte, dass sie gesehen werden, weil ich zum Beispiel im Tierpark war und andere Leute sich vielleicht gerne Bilder von Affen angucken möchten. Und weil ich finde, dass ein Affenbild nicht so persönlich ist, dass es niemand außer meinen „Freunden” sehen dürfte. Und – und das ist ganz wichtig: Weil andere Leute, die zeigen wollen „Hey, ich habe da ein Foto von einem Affen gesehen, der ist ja süß! <3”, mein Foto einfach teilen können. Dann sehen deren Freunde das Bild in der Timeline und können schreiben „Ooooh Doppel-<3!”. Gleichzeitig steht neben dem Bild, ganz egal wer es teilt, immer mein Name. Die Leute können auf mein Profil klicken und sehen vielleicht auch noch ein anderes Affenbild oder einen Flamingo oder ein Mufflon oder was weiß ich. Und vielleicht sind sie Flamingo-Fan und freuen sich. Und schreiben mich an. Oder ihnen gefällt meine Seite. Und ich freue mich. Ist alles schon vorgekommen. Es kommen sogar Fotoanfragen über Facebook. Und es entwickeln sich tolle Kontakte. Das funktioniert natürlich nur, solange mein Name neben dem Bild steht.

Das nervige Ding im Bild

Ich weiß, dass Wasserzeichen hässlich sind. Sie nerven im Bild. Das ist ihre Aufgabe, auch wenn es schade ist. Und ich weiß auch, dass jemand, der mein Foto verwenden möchte, es einfach abschneidet. Allerdings ist der Mensch dann auch richtig blöd und ich wünsche ihm die Krätze an den Hals. Haben euch eure Eltern nicht beigebracht, dass man Wasserzeichen nicht abschneidet? Alles schon passiert. Ein Beispiel ist die Titanenwurz-Geschichte. Ja, Titanenwurz. Das sind die Pflanzen, die nur alle paar Jahre blühen, die riesengroß sind und stinken. So eine Titanenwurz blühte vor nicht allzu langer Zeit im Botanischen Garten in Kiel. Ich fand es spannend, bin hingegangen, habe ein paar Bilder gemacht und sie bei Facebook gepostet, auch an die Pinnwand des Botanischen Gartens. „Jippieh, die Titanenwurz blüht!”. Das Bild war nicht mein absolutes Highlight-Foto, ich hätte es mir wohl selbst nicht unbedingt ins Wohnzimmer gehängt. Aber dokumentarisch fand ich es schön. Und dokumentarisch hatte es ja auch einen Wert. Ein paar Tage später sah ich, dass jemand andereres auch ein Album an die Pinnwand des Botanischen Gartens gepostet hatte. Ich wunderte mich etwas, weil die Bilder, die in dem Album waren, qualitativ so überhaupt nicht damit zusammenpassten, was die Userin sonst so postete. Also guckte ich genauer hin und ein Bild kam mir ganz besonders bekannt vor. Daneben stand „Quelle: Kieler Nachrichten”. Ich verglich das Foto mit meinen Bildern und mit denen der Kieler Nachrichten. Es war tatsächlich mein Bild. Mit abgeschnittenem Wasserzeichen. Die falsche Quelle gab es noch obendrauf. Beim Screenshots erstellen für ihr Album, sei der Userin ein kleiner Fehler unterlaufen, sagte sie mir, nachdem ich sie angeschrieben hatte. Richtig nachvollziehen konnte ich es nicht und genervt war ich trotzdem. Immerhin hatte sie es nicht als ihr Bild ausgegeben. So viel zu der kleinen Wasserzeichen-Geschichte.

Das Wasserzeichen soll nicht nur aussagen „Huhu, das Bild hier wurde von xy gemacht und du musst dir von xy erst die Erlaubnis einholen, dass du das Bild irgendwo verwenden darsft!”, es ist auch meine letzte Rückversicherung, wenn die Leute wieder zu doof zum Teilen sind. So steht zumindest noch mein Name drauf und jemand, der wirklich wissen möchte, wer das Bild gemacht hat, und ob es neben der Titanenwurz nicht vielleicht auch einen Flamingo gibt, kann mich darüber ausfindig machen. Ist auch schon passiert. Das mit meinen Fotos ist also die erste Sache. Ich bin genervt davon, wenn Leute meine Fotos neu hochladen, egal ob es bei Facebook, in ihrem Blog oder sonstwo ist. Ich bin genervt davon, wenn ich nicht gefragt werde und ich bin sauer, wenn die Leute es nicht einmal schaffen, mich zu verlinken. Richtig, richtig, richtig sauer werde ich, wenn Leute suggerieren, es seien ihre eigenen Bilder.

Warum eigene Bilder die beste Werbung sind

Das geht mir nicht nur mit meinen eigenen Bildern so, sondern auch mit Bildern von anderen Fotografen. Da gab es zum Beispiel eine junge Frau, die anfangs immer fröhlich auf meiner Fotoseite unterwegs war und kommentierte. Irgendwann fing sie an, meine Bilder nachzufotografieren. Zwischen „Inspiration” und „billiger Abklatsch” gibt es tatsächlich noch einen Unterschied, ja. Relativ schnell glaubte sie, sie könnte mit ihren Bildern Geld verdienen. Sie bastelte sich eine Homepage und stellte einfach ‘mal witzig Preise online. Irgendein Blödmann würde für ein Hochzeitsshooting schon 900 Euro berappen – auch wenn die junge Frau noch nie zuvor ansatzweise eine Hochzeit fotografiert hatte. Auf ihrer Homepage fand ich dann Bilder aus einer Kirche, mit hübscher Deko an den Bänken. Die klassischen Hochzeitsimpressionen eben. Auch da kam mir alles etwas komisch vor: Man erkennt den qualitativen Bruch in den Arbeiten einfach. Also habe ich die URL des Bildes in die Google-Bildersuche eingegeben – ein herrliches, kostenloses Tool. Die Fotos, mit denen eine „Fotografin” auf ihrer Homepage, also für ihre 900-Euro-Hochzeitsshootings warb, waren aus diversen Hochzeitsportalen zusammengeklaut. Die Idee fand ich – vorsichtig ausgedrückt – „spannend”. Interessiert hätten mich dann noch die enttäuschten Models, die 900 Euro für… ganz andere Bilder bezahlt hatten. Auf ihrer Facebook-Seite, auf der sie sich auch Fotografin nannte, hat sie dann auch noch fröhlich fremde Bilder gepostet. Alles wie immer ohne Quellenangabe. Als sie jemand anderes darauf ansprach, meinte sie nur, dass es ja wohl ersichtlich wäre, dass es nicht von ihr wäre, solange ihr (Anmerkung: über das ganze Bild reichende) Wasserzeichen nicht darauf zu sehen wäre. Vielleicht bin ich altmodisch, aber Fotografen oder „Fotografen” sollten doch am besten mit ihren eigenen Bildern für sich werben.

Dann gibt es da noch die Leute, die sich nicht Fotografen nennen, aber die als Möchtegern-Opinion-Leader bei Facebook mit knapp 3000 Abonnenten protzen. Der einzige Content, den sie generieren ist eigentlich, dass sie sich Fotos wild im Netz zusammensuchen. Zum Beispiel dieses Bild. Und einen beknackten deutschen Slogan drüberknallen. Es gibt in diesem konkreten Fall zwei Dinge, die mich extrem genervt haben:

1. Ich weiß nicht, wer dieses Bild bzw. diese Montage gemacht hat. Ich möchte es aber gern wissen, weil ich das Bild schön finde. Vielleicht gibt es von dem Künstler auch noch andere schöne Bilder, die ich mir gerne ansehen würde. Weil aber jeder fröhlich das Bild runtergeladen und irgendwo neu hochgeladen hat und keiner daran dachte, vielleicht irgendwo die Quelle zu nennen, finde ich den Künstler jetzt nicht. Das finde ich gemein. Für den Künstler und für mich. Dank eines aufmerksamen Facebook-Freundes weiß ich nun doch wer dieses wunderbare Bild gemacht hat: Joel Robinson. Und wie erwartet hat er tatsächlich noch ganz viele andere tolle Bilder gemacht.

2. Hat der Spaßvogel mit den 3000 Abonnenten, der einfach nur diesen dusseligen Satz draufgeschrieben hat, doch tatsächlich am Rande „Grafik: sein Name” vermerkt. Wie vermessen blödsinnig ist das denn? „In jedem von uns steckt ein kleiner Held.” Super. Ja, stimmt. Aber eine kreative Neuschöpfung ist das für mich nicht. Und außerdem weiß ich immer noch nicht wie der echte Künstler heißt.

Fremde Federn stehen dir nicht

Ähnlich verlief eine Geschichte mit Aquarienbildern. Es gibt bei Facebook eine Frau, die ein Album angelegt hat mit allen möglichen wirklich sehr, sehr guten Aufnahmen aus dem Meerwasser-Bereich. Anfangs dachte ich wirklich „Wow, ist die gut!”. Qualitativ war die Linie recht einheitlich, hätte also hinkommen können. Die Vielfalt der abgebildeten Tiere, kam mir dann komisch vor. Also wieder die Google-Bildersuche angeschmissen und schwupps: Kein einziges Bild war von ihr. So weit, so unschön. Nun fingen aber große Aquarsitik-Seiten und -Magazine an, diese Bilder – genauso wie ich es mir ja immer wünsche – zu teilen. Und lobten diese Frau für die atemberaubenden Aufnahmen. Das Lob von vielen der gezeigten Bilder gebührte aber einer jungen Frau aus den Vereinigten Staaten, die ihre Bilder nicht bei Facebook geteilt, sondern nur bei Flickr hochgeladen hatte. Den Link zum Flickr-Album und den Namen der Fotografin, die ja wirklich sehr gut war, habe ich dann als Kommentar unter den Link des Magazins gesetzt. Ich fand es einfach wahnsinnig ungerecht, dass jemand, suggeriert, es wären die eigenen Bilder und dann auch kein einziges Mal widerspricht. Das war die eine Sache. Das andere war, dass auch wieder galt: Ich möchte wissen, wer das Bild, was ich so toll finde, gemacht hat, weil ich mir vielleicht das Portfolio angucken möchte. Weil ich an den Künstler oder die Künstlerin vielleicht eine Frage habe oder ihn oder sie einfach loben möchte.

Ganz lange Rede, kurzer Sinn:

  • Jeder, der ein Bild gemacht hat, verdient es, zu diesem Bild als Quelle genannt zu werden. Ganz egal, ob objektiv gesehen, die Schöpfungshöhe erreicht ist. Ab dem Moment, wo ein Bild geteilt, hochgeladen oder sonstwie im Netz verwendet werden soll, hat es ja einen Wert. Für irgendjemanden. Sei es aus ästhetischen oder dokumentarschen oder humoristischen Gründen oder was auch immer. Kontaktiert den Urheber vorher und fragt nach, ob ihr das Bild verwenden dürft. Und nennt zumindest die Quelle. Es tut nicht weh, einen Link und einen Namen dahinter zu setzen. Gerade, wenn ihr auf euren eigenen Fotos Wasserzeichen benutzt, sollte euch dieser Gedanke doch vertraut sein.
  • Lernt zu teilen! Bei fast jedem Bild auf Facebook ist der Teilen-Button freigeschaltet. Ihr braucht die Bilder nicht in eure Alben laden, um sie anderen zu zeigen, ihr könnt sie einfach teilen. Wenn bei einem Foto die Funktion nicht freigeschaltet ist, hat das seine Gründe. Weil der Urheber im Regelfall einfach nicht wollte, dass das Bild geteilt werden kann. Oder weil er sich mit den Einstellungen nicht auskennt. Wenn Bilder nicht bei Facebook zu finden sind, hat auch das seinen Grund. Der Fotograf wollte es einfach nicht, was legitim ist. Deshalb muss man das Bild nicht runterziehen und selbst bei Facebook hochladen. Teilt doch einfach den Link zu dem Bild, was ihr unbedingt all’ euren Freunden zeigen wollt. Meistens erscheint ja bereits bei den Links ein Thumbnail.
  • Und noch was: Wenn ihr fotobegeistert seid und Alben mit euren Bildern anlegt und sie meinetwegen „Blümchen…” nennt. Und dann einige Bilder dazwischenhaut, die ihr nicht gemacht habt – dann enttäuscht ihr mich. Weil ich mich erst freue und denke „Mensch, toller Schnappschuss – wie hat er das denn gemacht?” Und dann wenig später sehe, dass es nicht von euch ist. Das Hätte-man-ja-sehen-können-obwohl-es-in-dem-Album-„Meine-schönsten-Fotos”-drin-ist-aber-kein-Wasserzeichen-von-mir-drauf-ist zieht bei mir nicht. Wenn es unbedingt sein muss, packt es in ein anderes Album. Meine schönsten Netzfundstücke oder was weiß ich. Dann suggeriert ihr mir und anderen nicht, dass es von euch wäre.

Und jetzt bin ich wieder fröhlich. Erstmal.



Stichwort , , , , , , ,



2 Kommentare »

  • Steffi said:

    Fenni du sprichst mir aus der Seele!

    Ist schon unlustig wenn du Bilder von dir in einem Shop wieder findest…ohne Quelle ohne frage ob dies ok wäre…

    Wenn das selbst mit solchen 0815 Bildern wie meine es sind passiert…..
     
    Ich hoffe das dir das nicht mehr so oft passiert!
     
    Liebe Grüße

  • Alois said:

    WORD!! Dem ist nichts hinzuzufügen. Billigsdorferkopisten ohne das geringste Basiswissen überschwemmen den Planeten, aber in gerade diesen Zeiten MUSS man auf Qualität setzen – und sich die Laune nicht verderben lassen. Kakerlaken vermehren sich besser als Rennpferde, das ist nun mal so. Danke nochmal und weiterhin viel Spass!

Kommentar hinterlassen

Kommentar hier hinterlassen, Trackback auf Ihrer Seite einfügen oder Kommentare als RSS abonnieren.

Um zu Ihrem Kommentar automatisch ein Bild einzufügen registrieren Sie sich bei Gravatar.