Tuuusn, Fridolin.
Lieber Fridolin,
ich hätte gern mehr Zeit mit dir verbracht. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, wussten wir beide von Anfang an, dass es irgendwie kritisch um dich stand. Im Geschäft wollte dich niemand haben. Weil du nicht irgendwelchen Zuchtstandards entsprachst. Weil deine Flossen nicht so schön durchgefärbt waren, wie bei den anderen. Und weil du kleiner warst. Ich fand dich trotzdem schön und hab’ mich gleich in dich verliebt. Weil du kleine blaue Schuppen hattest, zwischen den vielen roten, die wunderbar im Licht glänzten – wenn man ganz genau hingesehen hat. Und weil du blaue Augen hattest. Eben anders als die anderen. Also wollte ich dich mitnehmen. Und wir haben dich ganz vorsichtig nach Hause gebracht.
Du warst gerade ein paar Stunden bei uns und da machten wir uns schon Sorgen. Weil du so lange am Boden geschwommen bist. Geschwommen wäre fast noch zu viel, eigentlich hast du da eher gelegen. Und ich hatte große Angst um dich und hab’ Benni ausgequetscht, was denn mit dir sein könnte. Wir dachten da schon, dass du es nicht packen würdest. Und wenn ich jetzt zurückdenke, kann ich eigentlich einfach nur froh darüber sein, wie viele Tage wir dann doch noch zusammen hatten. Du hast gutes Futter bekommen und bist gewachsen. Als ich schon ganz stolz war, wie gut du dich gemacht hattest, meinten einige noch „Waaaas, das ist Fridolin? So klein ist der?” Und ich hab’ ich verteidigt, schließlich warst du für mich der schönste Kampffisch aller Zeiten.
Von Benni hast du ein richtig hübsches Aqaurium bekommen. Mit vielen Versteckmöglichkeiten und Plätzen zum Entspannen. Und Schwimmpflanzen. Deine Flossen wurden immer bunter und noch hübscher und für mich sahen sie aus, wie wunderbare Flammen. Wieder nicht nach Zuchtstandard. Aber dafür ganz einzigartig! Es dauerte gar nicht lang bis du angefangen hast, überall an der Wasseroberfläche kleine Blubberbläschen für deine Schaumnester zu machen. Fee war anscheinend ziemlich beeindruckt – in den Schaumnestern hatten sich schon bald die ersten Eier versteckt. Du hast dich sehr gut um deine kleinen Babys gekümmert! Auch wenn du am Anfang ziemlich überrascht wirktest, schließlich waren es ziemlich viele kleine Kampffische, die plötzlich durch’s Aquarium huschten.
Jetzt wo du nicht mehr da bist, fehlt etwas. Der bunte Flammen-Fridolin, der immer an die Scheibe kam. Der lustig durch das Aquarium schwamm und neugierig alles erkundete. Du hast mir wundervolle Geschichten erzählt. Und du hast mir ganz viel beigebracht. Über dich und die anderen Fische. Mag sein, dass einige Leute nicht verstehen können, dass du fehlst. Du warst keine Katze oder Hund, kein Pferd oder Papagei, du warst ein Fisch. Und da verstehen die anderen manchmal nicht, dass auch ein Fisch etwas ganz Besonderes ist.
Es tut mir leid, dass ich nicht mehr für dich tun konnte. Ich werde höchstpersönlich dafür sorgen, dass du der bekannteste Kampffisch der Welt wirst. Welcher Kampffisch schreibt schon Blogbeiträge? Denen, die dich am Anfang nicht so hübsch fanden, haben wir gezeigt, was für ein toller Kerl du warst.
Und jetzt kümmere ich mich um deine kleinen Babys. Es sind wirklich viele! Bei einigen sieht man schon richtig die Mimik. Und wie sie mit ihren kleinen Augen nach oben gucken, wenn es Futter gibt. Und ein paar von deinen Babys kauen sogar schon richtig! Wir hoffen, dass sie alle durchkommen. Und wer weiß – vielleicht ist bei den Kleinen einer dabei, der ganz rot ist. Mit kleinen blauen Glanzschuppen. Und Flammenflossen. Und blauen Augen.
Du warst der Beste! Tuuuuusn, Fridolin.
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