Grenzenlos.
Am 9. November bewies der deutsche Bundestag kein glückliches Händchen: 2001 wurde das Anti-Terror-Paket verabschiedet, 2007 das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Der 9. November… da war ja noch ‘was. Der Tag, an dem ein Volk aufstand, um der Regierung Paroli zu bieten und ein Tag, an dem einige glückliche Pannen zum Fall der Mauer führten. Bei Twitter ist es heute der größte Sport, zu erzählen, was man zur Zeit des Mauerfalls gerade gemacht hat. Was ich genau gemacht habe: gute Frage. Wahrscheinlich lag ich zu der Zeit, als die Nachricht umherging schon im Bett. Ich war nämlich gerade erst drei Jahre alt und sah ungefähr so aus:
Ich hatte andere Probleme als die Deutsche Teilung oder eben die Wiedervereinigung. Meine Mutter war hochschwanger mit meiner kleinen Schwester. Und ich war scheinschwanger. Mit einer Puppe, die fast genauso groß war wie ich.
Heute, am 9. November 2009, zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls, frage ich mich, welche Auswirkungen dieses historische Ereignis auf mich ganz persönlich hatte.
Wie wäre meine Sicht auf die Welt? Welche Urlaube hätte ich nicht so einfach machen können? Welche Menschen nicht kennenlernen?
Mein erstes Ost-/West-Erlebnis hatte ich recht früh mit Omas Nachbarin. „Aus der Zone.” Ich hab’ mich damals oft gefragt, was das bedeuten soll. Es hörte sich immer an wie eine Krankheit. Mit sechs Jahren wurden mir dann nochmal die wirtschaftlichen Ungleichheiten des ehemaligen „Ostblocks” bewusst: Bei einem Urlaub in Plzeň stellte ich in einem Spielwarenladen fest, dass der kleine Maulwurf aus der Sendung mit der Maus extrem günstig war. Fand ich gut damals.
Später wurde dann vor allem Berlin interessant: Für WiPo-LK-Ausfüge und private Wochenendtrips. Standesgemäß sorgten vor allem meine Eltern dafür, dass ich viel über die Berliner Mauer lernte, direkt an Fragmenten des Objekts. Sie haben mir sehr früh beigebracht, dass David Hasselhoff nicht für die Wiedervereinigung zuständig war. Dafür bin ich ihnen auch heute sehr dankbar. Denn Leute, die glauben, Hasselhoff habe das Ende der DDR herbeigeführt, denken auch, dass heute der Tag der kostenlosen SMS und des günstigen Bahn-Tickets ist.
Der Moment, in dem mir aber zum ersten Mal wirklich bewusst wurde, wie wichtig der Mauerfall tatsächlich für mich persönlich war, ist der hier:
Foto Titelseite: Klaus Lehnartz, Bundespresseamt
Stichwort Auf dem Dach, Auf dem Parkett, Aus den Pixeln, Über den Rand, Benni, Bruderkuß, Deutschland, Frieden, iRemember, Kiel, Mauerfall, Müritz, Politik


Meiner auch, meiner auch #moment
Extrem lustig geschrieben, Fenni! Ich lache noch immer hier im Kellerloch!
Sehr schön finde ich die Entdeckung der wirtschaftlichen Verhältnisse anhand des Preises von Pauli dem Maulwurf. :D
Großartig geschrieben.
Gib deinen Senf dazu!
Augenblicke
Hört gerade...
lost (in the sound of music) by Aeroclub5 days ago via last.fm
Glashaus
Kieler pl0gbar & Co
Kleines Netz