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Facebook und die Volkswirtschaft

20 November 2009 2 Comments

Ich habe viel von meinen Eltern gelernt. Als ich noch sehr klein war, nahmen sie mich das erste Mal mit in ein Konzentrationslager in Dänemark, direkt im Grenzgebiet zu Deutschland – und erklärten mir, was passieren kann, wenn sich einige Menschen anderen überlegen fühlen und sich Intoleranz und Hass ausbreitet. Sie haben mir beigebracht, dass ich eine Mütze aufsetzen muss, wenn es kalt wird. Und sie haben mir einen wichtigen Grundsatz beigebracht: Niemand schenkt dir etwas.

Der Grund, warum ich nervige Call-Center am Telefon sofort abwürge und auch keine Zeitungs-Abos in der Mensa abschließe. Spätestens seit meiner ersten VWL-Vorlesung kann ich diesem Prinzip auch einen Namen geben. „There is no such thing as a free lunch” – es gibt nichts umsonst. Die erste volkswirtschaftliche Regel. Scheint demnach ein wichtiges Grundprinzip zu sein, auf dem alles aufbaut.

Es ist immer ein Geben und Nehmen, Ying und Yang, 100 Prozent, die aufgeteilt werden. Möchte ich eine Flasche Energy haben, muss ich Sky oder famila 1,25 Euro geben, sonst bekomme ich ein Problem. Einfache Sache. Finde ich.
Einige Menschen glauben aber, dass sich dieses doch simple Prinzip in ganz bestimmten Lebensbereichen aufhebt. Bei Klingeltönen zum Beispiel. Klar sehe ich in Jamba-Sparabos Gefahren und ein großes Problem – Abzocke. Aber auch hier gilt einfach: Es gibt nichts umsonst. Gewinnspiele? Klar dienen Sie der Marktanalyse oder dem Sammeln von Adressen: Bei kleineren Betrieben, um den Kundenstamm zu erfassen oder zu erweitern, bei einigen (größeren) dubiosen Firmen, um die erworbenen Daten zu verkaufen. Für die Gewinnchance gebe ich meine Daten preis.

zyngaUnd bei Facebook? Ja klar. Nee, da ist es anders. Da setzen sich Entwickler hin und programmieren Spiele. Grafiker designen kleine mehr oder weniger niedliche Akteure – kostenlos. Einfach nur, weil sie möchten, dass möglichst viele Leute Spaß an ihren Spielen haben. Selbstlos, oder? Ganz kostenlos können da Freizeitparks oder Zoos gebaut und Farmen bewirtschaftet werden. Wer das glaubt, sollte sofort seinen Internetanschluss kündigen. Die Dienstleistung, die scheinbar kostenlos angeboten wird, muss irgendwo anders das Geld wieder reinholen: Durch den Verkauf von Daten oder die Kooperation mit Werbepartnern. Eine weitere Möglichkeit, die von fast allen Facebook-Spielen praktiziert wird, ist der Verkauf von „exklusivem” Spielzubehör – gegen echtes Geld per Kreditkarte oder gegen der Teilnahme an Umfragen. Logisch, finde ich. Natürlich kann man sich darüber streiten, inwieweit diese Techniken wünschenswert, moralisch-vertretbar und vor allem transparent sind. Aber dass sie angewendet werden, dass Zynga & Co für ihre Dienstleistung eine Gegenleistung erwarten, das war doch allen klar, oder?

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Gedankensprung

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