Weise Worte: Teil 2
Es ist vollbracht! Das finde ich persönlich am Wichtigsten, denn zumindest mit den lästigen Weisheitszähnen kann ich jetzt für den Rest meines Lebens keine Probleme mehr bekommen. Und: Es ging alles gut.
Natürlich habe ich mir vor der Operation – wie immer – noch einmal ordentlich Panik gemacht. Am Morgen des Eingriffs hatte ich allerdings „ein wenig” verschlafen. In diesem Fall sehr gut – so hatte ich nur zwei statt der geplanten fünf Stunden Zeit, mir den Kopf zu zerbrechen. Benni versuchte mich, ein bisschen auch sich selbst, zu beruhigen: Die Erfolge waren eher mäßig.
Ab einem gewissen Zeitpunkt (den ich selber immer nicht so richtig mitbekomme) findet man sich aber in einem Scheißegal-Trott wieder.
Mama ruft an. Sie ist jetzt am Tunnel. Also noch dreieinhalb Minuten bis sie vor der Tür steht. Schuhe anziehen. Jacke auch. Ein Blick in den Spiegel. Tasche schnappen. Hast du den Schlüssel? Gut. Tür zu. Treppe runter laufen. Tür aufhalten. Nach links und rechts gucken. Das Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Blick. Straße überqueren. Tür auf. Hallo. Ja geht. Holtenauer Straße runterfahren. Die zehn Minuten bis zur Klinik vergehen in gefühlten zwei. Aussteigen. Noch eine rauchen. Und wir klatschen in die Hände und wir wackeln mit dem Po. In die Klinik. Mama nimmt den Fahrstuhl. Wir zwei Sportskanonen gehen die Treppen bis in den vierten Stock. Wieder hallo. Ja, ich hatte einen Termin. Ja, ich warte.
Der Arzt ließ mich dann auch nicht lange auf dem bequemen Sessel sitzen. Diese blauen Klamotten verhießen nichts Gutes, fand ich.
Bitte mitkommen zur Betäubung. „Das ist jetzt das Schlimmste.” Achso, ja, schön. Ab in den Behandungsraum, auf den Zahnarztstuhl. „Möchten Sie einen Knautschball?” „Nee, danke, ich habe mein Quietscheentchen mit.” Verdutzter Blick.
Die Spritze in den Gaumen und am Kiefergelenk weckte schon gewisse Hochgefühle. Zum Glück hatte ich aber neben der Quietscheente auch noch Bennis Hand zum quetschen. Im Gegensatz zum ersten Weisheitszahn-Eingriff bei einem anderen Arzt, der bei mir doch postraumatische Empfindungen hinterließ, war aber in dieser Klinik schon die Betäubung besser: Wohldosiert, routiniert und fix gesetzt. Schwierig finde ich immer nur die Frage, ob man noch etwas spürt. Man empfindet ja zwar keinen spitzen Schmerz mehr, aber ein dumpfes Drücken und Ziehen. Da bin ich immer skeptisch. In dem Fall war dies aber unbegründet.
Schon etwas taumelig wieder zurück ins Wartezimmer, Betäubung fünfzehn Minuten wirken lassen. Ein komisches Gefühl wenn plötzlich das Schlucken weh tut und die Zunge kribbelt. Anscheinend aber ein gutes Zeichen.
Und dann ging wirklich alles ziemlich schnell. Der obere Zahn war mit etwas kräftigem Ruckeln in zwei Minuten draußen. Erfolg, Erfolg. Der untere stellte sich aber im wahrsten Sinne des Wortes quer. Der Querulant lag hinten so nah am Kieferknochen, dass eben dieser ein Stückchen weichen musste. Durch mittlerweile doch kräftiges Ruckeln und einem beachtlichen Körpereinsatz des Chirurgen, mutierte ich langsam zum Wackeldackel. Zwischendurch immer schön fräsen. Und wieder ruckeln. Der grobe Einsatz zeigte aber Wirkung: Nach kurzer Zeit waren die Weisen waise. Gaze-Streifen (ja dieser Begriff ist eine Vorlage für ganz tolle Wortwitze) in die Wunde, alles chic vernähen. Wattebausch oben drauf – und schon sieht man aus wie ein Hamster.
Nach gerade einmal fünfzehn Minuten konnte ich den Behandlungsraum wieder verlassen. Mama und Benni waren beide noch vertieft in ihre Zeitschriften und hatten nach so kurzer Zeit nicht mit mir gerechnet. Nochmal hinsetzen und darauf warten, dass mir die gezogenen Klopper überreicht werden.
Trotz der kurzen Operation, fühlte ich mich ziemlich mitgenommen und wollte nur noch schnell nach Hause. Über den Rat des Arztes „Jetzt aber bitte nicht gleich rauchen” hätte ich gerne geschmunzelt. Konnte ich aber nicht. Auf die Idee eine zu rauchen, wäre ich nun beim besten Willen nicht gekommen – und die, die mich kennen, wissen, dass das selten bis nie vorkommt.
Schnell in die Wohnung und ab in die eigens von Benni konstruierte Kissenburg. Im Sitzen habe ich dann versucht zu schlafen, da die Narkose bereits aufhörte zu wirken. Vorsichtshalber habe ich gleich Schmerzmittel genommen und bin dann doch eingeschlafen: Für fast zwölf Stunden. Irgendwie hatte ich dann doch keine Lust auf Fruchtzwerge und Babynahrung. Etwas Deftiges sollte es sein. Rougette-süchtig wie ich bin, dachte ich mir, der Ofenkäse wäre jetzt ja auch eine feine Idee. Obwohl dieser Plan nicht nur für mich schwachsinnig klang, funktionierte er überraschend gut. Zwar nur ein paar Happen klitzkleine Stücken Brötcheninnenleben (gibt es dafür eigentlich einen Namen?) mit einem Hauch Käse – aber lecker war’s. Eine Zigarette genehmigte ich mir dann auch. Es ging mir wirklich verhältnismäßig gut, absolut nicht vergleichbar mit der ersten OP.
Den nächsten Tag habe ich dann auch fast durchgeschlafen – unter anderem dank den Comp Stada Tabletten meiner Schwester. Damit war’s dann auch fast überstanden. Schmerzen waren da, klar, aber auszuhalten mit ein paar Tabletten. Drei Tage nach dem Eingriff folgte dann noch das Gaze-Streifen-Ziehen. Nochmal ein interessantes Gefühl, aber auch auszuhalten. Morgen werden die Fäden gezogen und dann bin ich durch mit dem Quatsch. Beruhigend.
Ein paar Tipps, die zumindest bei mir geholfen haben:
- Das Wichtigste ist tatsächlich: Den Kopf immer hoch lagern, auch beim Schlafen. Ist etwas gewöhnungsbedürftig – aber dadurch fiel die Schwellung deutlich geringer aus, was die ganze Prozedur wirklich erträglicher macht.
- Lasst euch vom Arzt diesen Gaze-Streifen verpassen. Bei meiner ersten Behandlung hat der Arzt darauf verzichtet, was sehr merkwürdig ist. Dieser Gaze-Streifen sorgt dafür, dass im Unterkiefer die Wundflüssigkeit, die die Schwellung verursacht, abgeleitet wird.
- Auch wenn es wehtut und manchmal etwas kompliziert ist: Unbedingt versuchen etwas zu essen1 und viel zu trinken. Durch das Trinken verteilen sich auch die Schmerzmittel deutlich schneller.
- Nach Möglichkeit viel schlafen. Im Schlaf hat man keine Schmerzen und die Heilung beginnt schneller.
- Lasst euch von eurem Liebsten bespaßen, lenkt definitiv am Besten ab. Das Mittagsfernsehen ist nach zwei Tagen nämlich einfach kaum mehr auszuhalten.
- natürlich erst wenn die Betäubung vollständig abgeklungen ist [↩]

Na, dann mal Glückwunsch zur gelungenen Zahn-Op!
Da fällt mir nur leider ein, dass ich mir auch noch einen weisen Kandidaten entfernen lassen muss. Aber erst in den Semesterferien ;-)
Gib deinen Senf dazu!